Gelegentlich stolpert man auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten im Internet über das sogenannte HYIP, eine angeblich sehr ertragreiche Anlagemöglichkeit. Doch wofür steht diese Abkürzung und was verbirgt sich dahinter?

High-yield investment program

Was ist HYIP?

Das Akronym HYIP steht für high-yield investment program und verspricht je nach Anbieter Renditen von mehreren Prozent pro Woche oder sogar pro Tag. Dabei ist der Name reichlich irreführend, denn mit Investition im eigentlichen Sinne hat das Ganze nur wenig zu tun. Vielmehr handelt es sich bei derartigen Programmen um Schneeballsysteme (genauer ist ein HYIP ein sogenanntes Ponzi-Schema), bei denen die Rendite eines Investors allein darauf beruht, dass sich nachfolgende Investoren ebenfalls am System beteiligen. Finden sich zu irgendeinem Zeitpunkt nicht mehr genügend weitere Investoren, bricht das System in sich zusammen. Natürlich sind derartige Programme in Deutschland und in vielen anderen Ländern illegal, was jedoch nicht verhindert, dass immer wieder Menschen darauf hereinfallen.

Obwohl das Ponzi-Schema, auf dem HYIPs beruhen, bereits seit über hundert Jahren existiert, haben Internet und digitale Bezahlanbieter in den letzten Jahren entsprechende Programme wie Pilze aus dem Boden schießen lassen. Entsprechend groß ist der finanzielle Schaden, der in jüngerer Vergangenheit durch HYIPs entstanden ist. Einige der größten bekannten Programme waren dabei:

  • Zeek Rewards aus dem Jahre 2012 mit einem finanziellen Volumen von mindestens $600 Millionen
  • Colonyinvest aus dem Jahre 2008 mit einem Schaden in Höhe von $150 Millionen
  • OSGold aus dem Jahr 2001 mit einem vermuteten Gewinn der Gründer in Höhe von $250 Millionen

Aktuelle Programme mit höherem Bekanntheitsgrad:

  • Cryptonus
  • Billion Earn
  • AlbionUnion
  • Forex Paradise

Natürlich ist es nicht gänzlich ausgeschlossen als Investor Glück zu haben und vor Zusammenbruch des Systems in die Gewinnzone zu kommen. Verlassen sollte man sich darauf jedoch nicht. Um es noch einmal ausdrücklich zu sagen: Bei den allermeisten HYIPs handelt es sich um Betrug und keine ernsthafte Geldanlage!

Warum werden HYIPs nicht umgehend strafrechtlich verfolgt?

Die eindeutig rechtswidrige Natur vieler derartiger Programm wirft natürlich die Frage auf, wie es überhaupt möglich sein kann, dass solche Systeme über viele Monate bis zum Kollaps laufen und dabei enormen finanziellen Schaden anrichten. In den meisten Fällen hat dies entweder mit geschickter Verschleierung der tatsächlichen Hintermänner zu tun (anonymes Hosting in Ländern mit schwachem Rechtssystem) oder mit der Auslagerung des Betriebs in Länder, in denen HYIPs nicht unter strafbare Vorschriften wie etwa Betrug fallen.

Warum fallen immer wieder Menschen darauf herein?

Der Grund, warum trotz der vermeintlich offensichtlichen Betrugsabsichten immer wieder Menschen Opfer solcher Systeme werden, ist einfach: Es ist der Reiz, der von einem Investitionsprogramm ausgeht, dass eine Rendite von mehreren Prozent pro Tag verspricht. Trotz berechtigter Skepsis, lassen angesichts solcher Versprechen viele Menschen ihren Verstand auf der Strecke und riskieren den Totalverlust ihrer Investition.

Kann man mit HYIPs Gewinn erzielen?

Tatsächlich gibt es Investoren, die versuchen mit HYIPs Geld zu verdienen, indem sie versuchen in einer frühen Phase eines Programms zu investieren, um so vor dem Kollaps eine ausreichende Rendite zu erzielen. Natürlich handelt es sich bei einer solchen Vorgehensweise um ein reines Glücksspiel, da aufgrund der Intransparenz keine Prognose über den Zeitpunkt des Zusammenbruchs eines HYIP möglich ist. Zur Verringerung des Risikos existieren deshalb sogenannte Tracker-Seiten, auch als HYIP-Monitor bezeichnet, die der Listung laufender Systeme und ihres aktuellen Stands dienen und eine Vernetzung der Anleger ermöglichen sollen. Trotzdem bleibt das Risiko auch bei Verwendung eines HYIP-Monitors selbstverständlich enorm und so ist selbst von einer nur testweisen geringfügigen Investition ausdrücklich abzuraten. Wer tatsächlich vergleichsweise hohe Risiken in Kauf nimmt für eine hohe Rendite, kann dies stattdessen auf diversen Social-Trading-Plattformen tun. Wenigstens ist in einem solchen Fall sichergestellt, dass sämtliche Verluste allein dem Unvermögen des jeweiligen Traders beruhen und nicht betrügerischen Absichten geschuldet sind.

Weitere Informationen im Netz:

High-yield investment program – Wikipedia (englisch)

 

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