Social Trading als Anlagetrend hat in den letzten Jahren einen kometenhaften Aufstieg erlebt. Der Erfolg kommt jedoch nicht von ungefähr, sondern ist die logische Konsequenz einer jahrzehntelangen Entwicklung. Mit Entstehung des sogenannten Web 2.0 gab es für Anleger zum ersten Mal die Möglichkeit Anlageempfehlungen von anderen Privatanlegern und damit außerhalb eines im Wesentlichen von Banken kontrollierten Gewerbes zu erhalten. Ab 2006 folgte dann der nächste Schritt in Form einer direkten Anbindung von Brokerkonten an spezialisierte soziale Netzwerke zum Zweck der Geldanlage. Fortan war es Anlegern nicht nur möglich einzelne Investitionsempfehlungen auszutauschen; es bot sich nun auch die Gelegenheit Trades anderer Anleger (Signalgeber) automatisch zu kopieren. Das Copy Trading beziehungsweise Mirror Trading war geboren.

Einfachheit und Transparenz des Social Tradings haben seitdem zu einem rasanten Anstieg der Nutzerzahlen diverser Plattformen geführt und wecken bei Neukunden hohe Erwartungen. Fraglich scheint indes, ob Social Trading tatsächlich eine reale Steigerung der Rendite gegenüber konventionellen Anlageformen bietet und welche Vor- und Nachteile sich für Nutzer entsprechender Plattformen ergeben.

Copy Trading im Faktencheck – Ist Social Trading ertragreicher?

Eine systematische Untersuchung unter Leitung von Yaniv Altshuler, Alex Pentland und Wei Pan am MIT Media Lab ergab bereits 2011 bei Nutzern des Anbieters eToro eine höhere Rendite bei jenen Anlegern, die Handelssignale des sozialen Netzwerks nutzten, verglichen mit Anlegern, die eigenständig handelten. Die Studie stellt hierzu fest: „We find that social trading provides much better opportunities for profiting compared with individual trading.“ Dennoch wird angemerkt, dass die soziale Komponente (der „Herdentrieb“) auf Plattformen wie eToro unter Umständen rationale Entscheidungen behindere und so die Rendite negativ beeinflussen könne. – http://web.media.mit.edu/~yanival/socialcom12.pdf

In der Novemberausgabe 2013 des Harvard Business Review machte Alex Pentland diesbezüglich deutlich, dass eine hohe Profitabilität bei eToro vor allem für jene Anleger gegeben sei, die die richtige Balance zwischen eigenverantwortlichem Handeln und Copy Trading fänden. Pentland: „The traders who had the right balance and diversity of ideas in their network had a return that was 30% higher.“ – https://hbr.org/2013/11/beyond-the-echo-chamber/ar/pr

Hinsichtlich des möglichen Ertrags des Social Tradings kam eine Untersuchung an der Ruhr-Universität Bochum 2014 zu dem Schluss, dass mögliche Renditen für Privatanleger im Bereich des Ertrags großer Hedgefonds anzusiedeln seien und Social Trading dabei gleichzeitig die Vorteile höherer Transparenz und Liquidität biete: „Altogether, social trading networks allow to realize hedge funds-like returns, even to retail investors, plus offer a substantially higher degree of transparency and liquidity“ – Doering, P. / Neumann, S. / Paul, S. (2014). A primer on social trading – Remuneration schemes, trading strategies and return characteristics. Working Paper.

Trotzdem wird in anderen Publikationen der Nutzen für Privatanleger, die eine risikoarme Anlagestrategie mit festen Renditen bevorzugen, als relativ gering gesehen. So kommt die ebenfalls an der Ruhr-Universität Bochum erschienene Ausarbeitung  „Strategic asset allocation with social trading“ von Sascha Neumann aus dem Jahr 2014 zu dem Schluss, dass Social Trading vor allem für besonders risikoaverse Anleger geeignet sei, während der Anwendungsbereich bei risikoscheuen Investoren recht gering sei. Nichtsdestotrotz könne Social Trading auch für weniger risikofreudige Anleger einen Diversifikationsbeitrag leisten.

Kritikpunkte und Risiken

Obwohl dem Trend Social Trading von allen Seiten positive Ansätze zugesprochen werden, existieren einige Kritikpunkte, die zumeist Risiken betreffen, die sich Privatanlegern zunächst nicht offenbaren.

Niedrige Eintrittsbarrieren für Signalgeber

Kritisch wird vor allem gesehen, dass auf vielen Plattformen für Signalgeber keine besonders hohen Eintrittsbarrieren existieren. So findet sich zumeist eine große Zahl an Händlern, deren herausragende Renditen einem Strohfeuer gleichen, da zugrundeliegende Strategien nicht von Nachhaltigkeit geprägt oder schlichtweg nicht vorhanden sind. Teilweise verfolgen Signalgeber sogar besonders riskante Strategien, um schnell in den Rankings der jeweiligen Plattform aufzusteigen. Dementsprechend ist die Zahl der Händler, die langfristig erfolgreiche Anlagestrategien verfolgen, eher gering. Einsteiger, die ohne tiefgehende Einarbeitung kurzfristigen Rankings der Plattformen vertrauen, erleben so häufig herbe Enttäuschungen. Auf lange Sicht wird die Entwicklung des Social Tradings somit zum Teil davon abhängen, wie gut es den Anbietern gelingt, schwarze Schafe unter den Signalgebern frühzeitig aus dem Verkehr zu ziehen.

Vergütungsmodelle führen zu erhöhtem Risiko

Ein Kritkpunkt, der mit diesem Aspekt eng in Verbindung steht, ist das Vergütungsmodell der Plattformen. Obwohl die Anbieter in puncto Signalvergütung bisher keiner einheitlichen Linie folgen, basieren die meisten Vergütungsmodelle auf der Anzahl der Signalnehmer, dem Erfolg oder dem gehandelten Volumen. Problematisch ist vor allem eine volumenbasierte Vergütung, bei der Signalgeber vereinfacht einen Anteil des Handelsvolumens erhalten, das durch ihre Handelssignale generiert wird. Signalgeber mit einer hohen Signalfrequenz sind dabei gegenüber zurückhaltenden Händlern im Vorteil, was die Risikobereitschaft der Signalgeber und damit auch das Risiko für das Kapital der Signalnehmer erhöht. Eine volumenbasierte Vergütung geht deshalb mit einem erhöhten Risiko für die Anleger einher. – Doering, P. / Neumann, S. / Paul, S. (2014). A primer on social trading – Remuneration schemes, trading strategies and return characteristics. Working Paper.

Emittentenrisiko und fehlende Regulierung

Eine Gefahr für das Kapital der Anleger, die oft nicht gesehen wird, ist das Insolvenzrisiko der jeweiligen Plattformbetreiber. Da bei den meisten Anbietern nicht Währungen, Rohstoffe oder Aktien als Basiswerte direkt gehandelt werden, sondern in verbriefter Form als Derivate, bei denen es sich um Inhaberschuldverschreibungen handelt, sind Anleger dem Kreditrisiko des betreffenden Emittenten ausgesetzt. Dies stellt zum Vergleich einen erheblichen Nachteil gegenüber der Geldanlage in Fonds dar, bei denen das Anlegerkapital als Sondervermögen keinem erhöhten Risiko unterliegt.

Ein weiterer Nachteil in Sachen Einlagensicherheit ist die oftmals fehlende Regulierung durch Finanzaufsichtsbehörden. Speziell ausländische Anbieter (besonders im Bereich binärer Optionen) unterliegen zum Teil erheblich geringeren Sicherheitsstandards als Unternehmen, die der deutschen Finanzdienstleistungsaufsicht der BaFin unterstellt sind oder sind sogar komplett unreguliert. Betrug und Unsicherheiten sind damit Tür und Tor geöffnet. Wer ausländischen Anbietern sein Geld anvertraut, sollte deshalb zumindest darauf achten, dass der Wunschanbieter von Aufsichtsbehörden mit ähnlichen Standards reguliert und zur Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen angehalten wird.

Slippage durch Zeitverzögerung

Ein Aspekt der vor allem bei Social-Trading-Plattformen hinzutritt, die nicht selbst als Broker tätig sind, ist die Zeitverzögerung zwischen Signalgeber und der automatischen Kopie auf dem Trading-Konto des Signalnehmers. Je nach Anbindung des Brokers zur Plattform kann durch eine kurze Verzögerung eine Kursdifferenz zustande kommen, die als Slippage bezeichnet wird. Speziell bei Signalgebern, die kurzfristige Trades tätigen und bei denen somit schon geringe Kursschwankungen von Bedeutung sein können, kann dieser Umstand Gewinne schmälern, auch wenn ein Abweichen natürlich auch zugunsten des Signalnehmers ausgehen kann.

Fazit

Social Trading ist ein Trend, der seine Entwicklung noch nicht abgeschlossen hat. Niedrige Mindesteinlagen und ansprechende Umsetzung des Prinzips gestalten den Einsteig angenehm einfach. Dennoch sollte man jedem Trend nicht blindlings folgen; dies gilt auch im Falle des Social Tradings. Wer eigene Erfahrungen mit dem automatischen Kopieren erfolgreicher Trader sammeln will, sei es als Geldanlage im größeren Umfang oder lediglich als Diversifikationsmöglichkeit für das eigene Portfolio, sollte sich der Risiken bewusst sein und Anbieter wie Top-Trader genau unter die Lupe nehmen. Auch Social Trading erfordert – trotz aller Automatisierung – ein systematisches Vorgehen und stetes Prüfen der eigenen Investitionen. Wer seine Hausaufgaben gemacht hat, kann mit Social Trading durchaus ordentliche Gewinne einfahren.

Weitere Informationen:

Erfolg und Risiken: Social Trading zwischen Fakten und Fiktion
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Social TradingErfolg und Risiken: Social Trading zwischen Fakten und Fiktion